Zeitreise des Laufsports

Sep
24

“Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft” war das Credo des legendären Emil Zatopek, auch die „Lokomotive aus Prag“ genannt. Diese Aussage scheint seine Gültigkeit nicht verloren zu haben. Immer mehr Menschen geben sich der elementarsten Bewegungsweise der Menschheit hin – dem Laufen. Der Mensch findet zu den Ursprüngen seiner natürlichen Fortbewegung zurück in einer zivilisierten Gesellschaft, die von Bewegungsmangel und Automatismus geprägt ist. Laufsport soll vorwiegend Spass machen und fit halten: Körperlich und seelische Gesundheit stehen dabei in einem engen Zusammenhang. Die Faszination scheint nach wie vor ungebrochen. Wer erst einmal mit dem Laufen begonnen hat, den lässt es unter Umständen nicht mehr los. Für einige ist das Laufen nur ein ergänzender Sport, für die anderen die einzig wahre Sportart, um die Gesundheit zu erhalten und den Alltagsstress hinter sich zu lassen. Für gewisse Sportler bietet das Laufen die Möglichkeit auf niedrigem bis auf sehr hohem Niveau an Wettkämpfen teilzunehmen.

Der Laufsport hat in den letzten Jahren einen regelrechten Trend ausgelöst, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass sich diese Sportart sehr individuell gestalten lässt. Fast überall, praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit sowie bei fast jeder Witterung kann man laufen. Es besteht die Möglichkeit in Gruppen zu laufen oder allein. Laufen in Vereinen und in Laufgruppen kann äusserst gesellig sein, auch wenn Laufen als Wettkampfsport ein Sport des Einzelkämpfers ist.

Laufen und alle weiteren leichtathletischen Disziplinen werden seit Tausenden von Jahren betrieben. Damals war allerdings die Fortbewegungsart eine Notwendigkeit, da andere Formen der Fortbewegung wie Kutschfahrten, Reiten und das Getragenwerden in Sänften durch Sklaven nur der Oberklasse vorbehalten waren. Laufen als Fortbewegungsart war in der Antike eine Notwendigkeit zum Zweck des Informationstransportes, die von Sklaven mit guter Ausdauer verrichtet wurde. 

Im antiken Griechenland wurden im Rahmen von religiösen Festen auch schon vor den ersten Olympischen Spielen (776 v. Chr.) Wettkämpfe ausgetragen. Bei den Olympischen Spielen wurde zunächst der Fünfkampf, also Diskus- und Speerwerfen, Laufen, Weitsprung und Ringen ausgetragen. Später kamen weitere Disziplinen dazu. Neben Olympia als bedeutendstem Austragungsort wurden auch Spiele in Delphi (zu Ehren Apollos), Korinth (zu Ehren Poseidons) und Nemea (wie die Olympischen Spiele zu Ehren von Zeus) ausgetragen. Der grösste Triumph für die Athleten, nur den Männern vorbehalten, stellte der Sieg aller vier Wettkämpfe dar. Gelaufen wurde im Stadion, das eine Wendestrecke von insgesamt 192 Metern darstellte. Neben dem einfachen Stadionlauf gab es auch den Doppellauf, also zweimal die Stadionbahn und den Langlauf, bei dem die Stadionrunde 20 mal durchlaufen werden musste, was einer Strecke von ca. 3’800 Metern entspricht. Später wurden dann diese Langläufe nochmals unterteilt. Fehlstarts waren eine Schande für den Läufer und wurden mit Peitschenhieben bestraft. Bis zu 20 Läufer konnten gleichzeitig starten. Gelaufen wurde nackt, eine Zeitnahme gab es nicht. Den Siegern wurden viele Ehren und Vorteile zuteil: Steuererlasse, zahlreiche Geschenke, Kost und Logis sowie besondere Ehrungen der Heimatstädte. 

Seit Griechenland 146 v. Chr. zum römischen Herrschaftsgebiet gehörte, führten die Römer die Tradition der Olympischen Spiele fort. Im Jahre 394 n. Chr. schaffte der römische Kaiser Theodosius I. die Spiele ab und danach fanden acht Jahrhunderte lang keine organisierten Wettkämpfe in der Leichtathletik mehr statt.

Im Mittelalter war schnelles und weites Laufen eine Jahrmarktsattraktion. Erwähnenswert ist auch der norwegische Wunderläufer Mensen Ernst, der von 1795 bis 1843 lebte. Er legte u.a. die Strecke Paris – Moskau (2’500 km) in zwei Wochen zurück. Er wurde von verschiedenen Herrschern als Botenläufer engagiert und starb vermutlich am 22. Januar 1843 während eines Laufes auf der Suche nach den Quellen des Nil südlich von Syene an der Krankheit Ruhr.

In Grossbritannien lebte die Idee des Wettlaufens in der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder auf. Im Jahre 1864 wurden erstmals Wettkämpfe zwischen den Universitätsmannschaften von Oxford und Cambridge abgehalten. Die ersten englischen Meisterschaften folgten bald.
 Am 23. Juni 1894 wurde bereits das Internationale Olympische Komitee durch den französischen Erzieher Baron Pierre de Coubertin gebildet, das seit 1915 in Lausanne (Schweiz) seinen festen Sitz hat. Erst 1896, zwei Jahre nach Bildung des IOC, fanden die ersten Olympischen Spiele wieder statt. Seit der Wiedergeburt der Olympischen Spiele, werden diese gegenwärtig, wie schon im antiken Griechenland, alle vier Jahre mit Athleten aus aller Welt ausgetragen. In der Neuzeit werden die Austragungsorte jeweils immer neu vergeben. Mittlerweile ist Laufen ein bedeutender Teil der Leichtathletik und mit zahlreichen Disziplinen bei den olympischen Spielen vertreten.